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Der Hochalter des Überlinger Münsters

1. April 2021, 19:00 Uhr - Pfarrsaal des katholischen Pfarrzentrums, Münsterplatz 5, Überlingen

Die Literatur würdigt Jörg Zürns Hochaltar von 1613 – 16 als eine der herausragenden Leistungen der deutschen Bildhauerkunst des 17. Jahrhunderts. Nach Ansicht des Referenten verfolgte Zürn unter anderem das ehrgeizige Ziel, das Vorbild des 1604 entstandenen und damals wegweisenden Hochaltars seines älteren Bildhauerkollegen Hans Degler in der Augsburger Reichsklosterkirche St. Ulrich und Afra an schöpferischer Originalität zu übertreffen. Zürn entwickelte hierzu beispielsweise erstmalig eine tiefe Altarbühne, auf der die vollplastischen Figuren bei der Geburt Christi tiefenräumlich gestaffelt und mit erzählerischer Lebendigkeit positioniert werden. Bei genauer Betrachtung erweist sich der Überlinger Hochaltar zudem als eines der frühesten europäischen Beispiele für ein raumbezogen und mehransichtig konzipiertes Gesamtkunstwerk, dessen raffinierte und innovative Dramaturgie sich für den Betrachter erst bei dem Umschreiten des Altars erschließt. Das heutige Erscheinungsbild des Altars wirft jedoch auch Fragen auf und lädt zu neuen Thesen ein.

Eintritt frei

Dr. Michael Brunner leitet seit 2003 die Abteilung Kultur der Stadt Überlingen. Seine Dissertation zur Debatte um Dante Alighieri im 16. Jahrhundert wurde mit Wissenschaftspreisen der Universität Freiburg und des Zentral- instituts für Kunstgeschichte München ausgezeichnet.