Die Reichsstadt Überlingen und die Bewältigung von Krisenerfahrungen im Dreißigjährigen Krieg

9. Juli 2020, 19:00 Uhr – Museumssaal, Städtisches Museum

Foto: Foto Lauterwasser

Die Angriffe der Schweden auf Überlingen von 1632 und 1634 sind im kollektiven Gedächtnis der Stadt fest verankert. Dieser Fall zeigt exemplarisch, wie die betroffene Bevölkerung versuchte, ihre leidvollen Kriegserlebnisse im Suchen und Finden göttlicher Hilfe zu transzendieren. Die christliche Bewältigungsstrategie verlief in zwei Schritten: in der »Legitimation« des von jeder der Kriegsparteien als allein seligmachend definierten Bekennt- nisses, dann in der »Konsolation« – Krieg zwar Zeichen göttlichen Zorns über die Sünden der Menschen, Gebet und Buße aber die Mittel, um der Gnade Gottes wieder teilhaftig zu werden. Ausgehend von den Schrift- und Bildquellen untersucht der Vortrag den Angriff auf die Stadt 1634, das Gelübde der Überlinger Bürger für die der Fürbitte Marias zuge- schriebene Rettung aus höchster Kriegsgefahr, die Ein- lösung des Wallfahrtsversprechens nach Einsiedeln und zuletzt das Bemühen der Stadtregierung, das religiöse Handeln politisch zu nutzen.

Eintritt frei

Dr. Alois Schneider war bis 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen, dort zuletzt Leiter des Projekts »Archäologischer Stadt- kataster Baden-Württemberg«. Er ist Autor zahlreicher Publikationen zur südwestdeutschen Landesgeschichte und Mittelalterarchäologie, darunter auch eines Burgenkatalogs für den Bodenseekreis (1989) und des Archäologischen Stadtkatasters Überlingen (2008).